Erhalt von Stadtgrün
Frühling in Ludwigshafen
(Erstellt: Sabine Laubner-Draheim)
Teil 1: Allgemeines
Die Bedeutung von „Grün“ in der Stadt ist inzwischen unbestritten. Bäume erzeugen Sauerstoff, binden CO², binden Staub, geben Schatten, kühlen durch Verdunstung. Wälder und Grünflächen senken die Umgebungstemperatur, tragen zur Grundwasserneubildung bei und können Leitbahnen für Frischluft sein. Blühflächen und Wiesen dienen Insekten und Vögeln als Lebensraum und Nahrungsquelle. Grünflächen in der Stadt bilden Biotopbrücken zu den Naturräumen im Umland. Nicht zuletzt sind Grünflächen die wichtigsten Erholungsräume für die Stadtbewohner und Spiel- und Erlebnisraum für Kinder.
„Grün“ in der Stadt ist sehr vielfältig, oft sogar artenreicher als die umgebende Landschaft, weil Städte verschiedene Standortbedingungen auf kleinstem Raum beherbergen. Es gibt Parks, öffentliche Grünanlagen, private Gärten, Straßenbegleitgrün, landwirtschaftliche Flächen, Spontanvegetation in Pflasterritzen, Dachbegrünungen, Baggerweiher mit ihren Ufern, Reste von ursprünglicher Natur wie Flussufer, Waldrelikte, Wiesen, Moore.
Alle diese Formen von Grün sind wichtig für den Naturhaushalt und die Erhaltung der Artenvielfalt. Sie unterscheiden sich aber deutlich in der Art ihrer Gefährdung und/ oder in dem erforderlichen Pflegeaufwand. Hier setzt die Arbeit der Naturschutzbehörden, der städtischen Grünpflege und der Naturschutzverbände ein.
Wesentliche Aufgabenfelder für Naturschutz und Grünpflege in der Stadt:
Unterschutzstellung besonders naturnaher Gebiete
Angemessene Pflege zur Erhaltung der Wertigkeit von Grünflächen und Bäumen
Vernetzung der oft kleinräumigen und über das Stadtgebiet verteilten Biotope
Ersatz und echter Ausgleich für Neuversiegelung von Freiflächen
Renaturierung von Gewässern bzw. deren Ufer
Ökologische Bebauung ??
Teil 2: Grün in Ludwigshafen
Ludwigshafen liegt im Oberrheingraben, einer der wärmsten Gegenden Deutschlands. Es ist eine von Industrie geprägte Stadt. Der Anteil von bebauten Flächen wie Wohngebiete, Industrie- und Gewerbegebiete sowie Verkehrsflächen ist mit über 46 % (Umweltbericht 2019, S. 19) auffällig hoch. Zu dieser starken Flächenversiegelung kommt die Belastung durch den motorisierten Verkehr aufgrund einer hohen Zahl von Einpendlern.
Der Klimawandel ist auch in Ludwigshafen angekommen und macht sich vor allem durch starke Trockenheit bemerkbar. Geschädigte und abgestorbene Bäume sind ein deutliches Zeichen. Wer die Grünflächen in den Jahren 2019 und 2020 beobachtet hat, konnte sehen, wie sie ihre Farbe von Grün zu Braun wandelten. Unter diesen Gegebenheiten sind der Erhalt und die Neuanlage von „Grün“ jeglicher Art von überragender Wichtigkeit.
Unterschutzstellung besonders naturnaher Gebiete und Biotopvernetzung
Leider gibt es in Ludwigshafen noch immer kein ausgewiesenes Naturschutzgebiet (NSG). Umso wichtiger sind Landschaftsschutzgebiete (LSG) und Geschützte Landschaftsbestandteile (GLB). Der BUND begrüßt, dass wieder die Neuausweisung eines LSG ansteht: die Rosslache, deren weitere Bebauung unbedingt verhindert werden muss. Sie ist Teil der „Grünen 8“ zusammen mit dem Maudacher Bruch. Die offene Landschaft mit Äckern, Wiesen und Baggerweihern trägt zur Kühlung der umliegenden Stadtteile bei und ist Lebensraum für Arten des Offenlandes. Eine Reihe von GLBs, die über die Stadtteile verteilt sind, stellen gute Trittsteinbiotope dar. Eine Grünverbindung von den westlichen Stadtteilen über die Innenstadt zum Rhein ist immer noch mangelhaft. Der Abriss der Hochstraße und Nord und der damit verbundene Stadtumbau darf als Chance, diese Verbindung herzustellen, nicht vertan werden
Angemessene Pflege zur Erhaltung der Wertigkeit von Grünflächen und Bäumen
In vielen Teilen Ludwigshafen existiert ein guter Bestand an alten Bäumen. Diese zu erhalten muss Vorrang haben vor Neupflanzungen. Allerdings setzen Klimawandel, Umweltbelastungen und schlechte Standorte den Stadtbäumen in den letzten Jahren enorm zu. Wir halten eine Baumschutzsatzung für notwendig, um Bäume sowohl im öffentlichen Raum als auch in privaten Gärten vor Abholzung zu schützen. Wo Bäume gefällt werden müssen, ist eine zeitnahe Nachpflanzung zu fordern.
Wiesenpflege und Neuanlage von Wiesen sind begrüßenswert, allerdings werden Wiesen noch zu häufig zu den falschen Zeitpunkten (z.B. vor der Blüte, während der Brutzeit von Bodenbrütern) oder zu oft gemäht. Straßenbegleitgrün sollte extensiver gepflegt werden, das kommt sowohl der Natur als auch dem städtischen Haushalt zugute. Besonders scharf zu kritisieren ist die Pflege der Hecken. Es wird in vielen Fällen zu radikal ohne Rücksicht auf Vogelbrut, Insekten und andere Heckenbewohner geschnitten. Die vereinbarte abschnittweise Pflege wird oft nicht eingehalten. Stadtparks können naturnäher gestaltet werden. Einige Ansätze gibt es bereits.
Ersatz und echter Ausgleich für Neuversiegelung von Freiflächen
Leider schreitet die Bebauung in Ludwigshafen weiter voran. Immer mehr Flächen werden versiegelt. Der sogenannte „Ausgleich“ findet in der Regel durch Aufwertung von landwirtschaftlichen Flächen statt. Damit mag zwar dem Artenschutz Genüge getan werden, aber Freiflächen mit all ihren oben dargestellten Funktionen verschwinden trotzdem. Zur Verbesserung des Stadtklimas, der Grundwasserneubildung und des Bodenschutzes ist als Ausgleich die Entsiegelung entsprechend der neu versiegelten Fläche notwendig.
Renaturierung von Gewässern bzw. deren Ufer
Was die Renaturierung von kleineren Fließgewässern angeht, wurden in der Stadt in den letzten Jahren einige gute Projekte vorangebracht, zum Beispiel der Affengraben Ruchheim (noch verbesserungsfähig), der Altrheingraben in Oggersheim, die Regenrückhaltung am nördlichen Rand des Maudacher Bruchs, das Rückhaltebecken Dohlwiese am Deich im Süden, die Renaturierung des Brückelgrabens. Nun kommt es darauf an, diese in ihrer Wertigkeit auch zu erhalten.
Ökologische Bebauung
Städtische Bauträger müssen zu angepasster Bauweise übergehen (Auswahl von Baustoffen, Baustoffrecycling verbessern, Dach- und Fassadenbegrünungen), strikte Kontrolle der Festsetzungen von BPlänen, was Begrünung von Grundstücken betrifft.
Wir fordern, dass die Stadt sich – wie in Mainz und Kaiserslautern kürzlich geschehen – endlich dazu durchringt, ein Verbot von Schottergärten für die Zukunft zu verbieten. Angesichts der ohnehin extremen Wärmebelastung der Stadt, ist dies unbedingt notwendig. Da ein solches Verbot nur für zukünftige Bebauung festgesetzt werden kann, trägt die BUND Kreisgruppe mit ihrer Aktion „Entschotterung“ dazu bei, Beispiele und Anregung für die Umwandlung bestehender Gärten zu geben.
Wie Streusalz unsere Bäume schädigt
Ahornblätter mit rostroten Blatträndern: Typischer Schaden durch Streusalz. (Bild: BUND Berlin)
((Bild: BUND Berlin)
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(Bild: BUND Berlin))
Das Streusalz löst sich im Schmelzwasser, versickert im Boden und reichert sich dort über Jahre an. Besonders bei Stadtbäumen, die in kleinen Baumscheiben wachsen, gelangt das Salz direkt in den Wurzelraum. Das Streusalz (Natriumchlorid) verdichtet die Bodenstruktur und verändert den ohnehin geringen Nährstoffgehalt von Straßenstandorten noch zum Negativen. Außerhalb der Siedlungen sind auch Alleebäume davon betroffen.
Schäden an Wurzeln, Rinde und Blättern
Die hohe Salzkonzentration schädigt die Feinwurzeln, über die Bäume Wasser und Nährstoffe aufnehmen. Gleichzeitig kann Salz die Rinde verätzen. Sichtbare Schäden treten häufig erst im Frühjahr auf: fingerbreite, rostrote Blattränder.
Trockenes Frühjahr verschärft Streusalzwirkung
Im Frühjahr brauchen Bäume sehr viel Wasser, da sie im Herbst Blätter in den Knospen angelegt haben, um sie im Frühjahr auszutreiben. Ist es im Frühjahr sehr trocken, so wie es in den letzten Jahren häufig war, nehmen die Bäume viel von dem Salz aus dem Boden auf. Gleichzeitig kann der Baum weniger Wasser aufnehmen, weil das Salz auch die Wasseraufnahme verschlechtert. So entstehen irreversible Schäden an den Bäumen. Nährstoff- und Wassermangel macht die Bäume wiederum anfällig für Infektionen und Pilze und Bakterien. Besonders empfindlich darauf reagieren Linde, Ahorn und Rosskastanie, doch auch weniger salzempfindliche Baumarten wie Eichen und Feldahorn werden vom Salz geschädigt und können absterben.
Schwierige Bedingungen für Stadtbäume
Stadtbäume wachsen unter extremen Bedingungen: wenig Wurzelraum, Kabelschächte im Boden und im Sommer zusätzliche Hitze durch Häuser, die Wärme abgeben.
Was Kommunen tun können
Um Salzeinträge abzumildern, reicht einfaches Ausspülen mit viel Gießen nicht aus: Dafür wären große Wassermengen nötig, die zugleich wichtige Nährstoffe aus dem Boden schwemmen. Sinnvoller ist es, Straßenbäume gezielt vor dem Laubaustrieb im Frühjahr zu gießen und zu düngen. So nehmen die Bäume nicht ausschließlich Natriumchlorid auf und bekommen einen guten Start in ihr neues Jahr. Idealerweise passiert das jedes Jahr, nicht nur nach einem Winter mit viel Streusalz. Generell muss die Nutzung von Streusalz so weit möglich reduziert werden.
Winterdienst besser aufstellen
Langfristig braucht es einen Winterdienst, der Verkehrssicherheit gewährleistet, ohne Stadt- und Straßenbäume zu schädigen. Gerade im Sommer profitieren wir von gesunden Bäumen, die Schatten spenden und Hitze abmildern. Auch wenn sie aufwändiger ist: Die klassische Schnee- und Eisbeseitigung mit Schaufel, Besen und Eiskratzer wirkt zuverlässig gegen Glätte und schont Bäume, Böden und Tierpfoten.
Gurkenwasser und Ameisensäure keine Alternativen
Vermeintliche Alternativen zu Tausalzen wie Ameisensäure oder Gurkenwasser sind leider auch nur bedingt umweltfreundlich. Ameisensäure ist zwar biologisch abbaubar, verbraucht beim Abbau aber sehr viel Sauerstoff in den Gewässern, der dann den Wasserlebewesen fehlt. In der Folge können die Gewässer umkippen. Gurkenwasser wird oft als nachhaltige Alternative angepriesen, wirkt aber auch nur über das darin gelöste Kochsalz, das sich dann auch über die Jahre im Boden ansammelt.
Quelle: BUND e.V.