BUND Kreisgruppe Ludwigshafen
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Erhalt von Stadtgrün, speziell Straßenbäume

10. Mai 2022

Wesentliche Aufgabenfelder für Naturschutz und Grünpflege in der Stadt: -Unterschutzstellung besonders naturnaher Gebiete -Angemessene Pflege -Vernetzung der über das Stadtgebiet verteilten Biotope -Ersatz und Ausgleich für Neuversiegelung -Renaturierung von Gewässern -Ökologische Bebauung

Große Blies  (erstellt: Ingrid Frühauf / Lizenz: Ingrid Frühauf)

Teil 1: Allgemeines
Die Bedeutung von „Grün“ in der Stadt ist inzwischen unbestritten. Bäume erzeugen Sauerstoff, binden CO², binden Staub, geben Schatten, kühlen durch Verdunstung. Wälder und Grünflächen senken die Umgebungstemperatur, tragen zur Grundwasserneubildung bei und können Leitbahnen für Frischluft sein. Blühflächen und Wiesen dienen Insekten und Vögeln als Lebensraum und Nahrungsquelle. Grünflächen in der Stadt bilden Biotopbrücken zu den Naturräumen im Umland. Nicht zuletzt sind Grünflächen die wichtigsten Erholungsräume für die Stadtbewohner und Spiel- und Erlebnisraum für Kinder.
„Grün“ in der Stadt ist sehr vielfältig, oft sogar artenreicher als die umgebende Landschaft, weil Städte verschiedene Standortbedingungen auf kleinstem Raum beherbergen. Es gibt Parks, öffentliche Grünanlagen, private Gärten, Straßenbegleitgrün, landwirtschaftliche Flächen, Spontanvegetation in Pflasterritzen, Dachbegrünungen, Baggerweiher mit ihren Ufern, Reste von ursprünglicher Natur wie Flussufer, Waldrelikte, Wiesen, Moore.
Alle diese Formen von Grün sind wichtig für den Naturhaushalt und die Erhaltung der Artenvielfalt. Sie unterscheiden sich aber deutlich in der Art ihrer Gefährdung und/ oder in dem erforderlichen Pflegeaufwand. Hier setzt die Arbeit der Naturschutzbehörden, der städtischen Grünpflege und der Naturschutzverbände ein.

Teil 2: Grün in Ludwigshafen

Ludwigshafen liegt im Oberrheingraben, einer der wärmsten Gegenden Deutschlands. Es ist eine von Industrie geprägte Stadt. Der Anteil von bebauten Flächen wie Wohngebiete, Industrie- und Gewerbegebiete sowie Verkehrsflächen ist mit über 46 % (Umweltbericht 2019, S. 19) auffällig hoch. Zu dieser starken Flächenversiegelung kommt die Belastung durch den motorisierten Verkehr aufgrund einer hohen Zahl von Einpendlern.
Der Klimawandel ist auch in Ludwigshafen angekommen und macht sich vor allem durch starke Trockenheit bemerkbar. Geschädigte und abgestorbene Bäume sind ein deutliches Zeichen. Wer die Grünflächen in den Jahren 2019 und 2020 beobachtet hat, konnte sehen, wie sie ihre Farbe von Grün zu Braun wandelten. Unter diesen Gegebenheiten sind der Erhalt und die Neuanlage von „Grün“ jeglicher Art von überragender Wichtigkeit.

Unterschutzstellung besonders naturnaher Gebiete und Biotopvernetzung
Leider gibt es in Ludwigshafen noch immer kein ausgewiesenes Naturschutzgebiet (NSG). Umso wichtiger sind Landschaftsschutzgebiete (LSG) und Geschützte Landschaftsbestandteile (GLB). Der BUND begrüßt, dass wieder die Neuausweisung eines LSG ansteht: die Rosslache, deren weitere Bebauung unbedingt verhindert werden muss. Sie ist Teil der „Grünen 8“ zusammen mit dem Maudacher Bruch. Die offene Landschaft mit Äckern, Wiesen und Baggerweihern trägt zur Kühlung der umliegenden Stadtteile bei und ist Lebensraum für Arten des Offenlandes. Eine Reihe von GLBs, die über die Stadtteile verteilt sind, stellen gute Trittsteinbiotope dar. Eine Grünverbindung von den westlichen Stadtteilen über die Innenstadt zum Rhein ist immer noch mangelhaft. Der Abriss der Hochstraße und Nord und der damit verbundene Stadtumbau darf als Chance, diese Verbindung herzustellen, nicht vertan werden

Angemessene Pflege zur Erhaltung der Wertigkeit von Grünflächen und Bäumen
In vielen Teilen Ludwigshafen existiert ein guter Bestand an alten Bäumen. Diese zu erhalten muss Vorrang haben vor Neupflanzungen. Allerdings setzen Klimawandel, Umweltbelastungen und schlechte Standorte den Stadtbäumen in den letzten Jahren enorm zu. Wir halten eine Baumschutzsatzung für notwendig, um Bäume sowohl im öffentlichen Raum als auch in privaten Gärten vor Abholzung zu schützen. Wo Bäume gefällt werden müssen, ist eine zeitnahe Nachpflanzung zu fordern.
Wiesenpflege und Neuanlage von Wiesen sind begrüßenswert, allerdings werden Wiesen noch zu häufig zu den falschen Zeitpunkten (z.B. vor der Blüte, während der Brutzeit von Bodenbrütern) oder zu oft gemäht. Straßenbegleitgrün sollte extensiver gepflegt werden, das kommt sowohl der Natur als auch dem städtischen Haushalt zugute. Besonders scharf zu kritisieren ist die Pflege der Hecken. Es wird in vielen Fällen zu radikal ohne Rücksicht auf Vogelbrut, Insekten und andere Heckenbewohner geschnitten. Die vereinbarte abschnittweise Pflege wird oft nicht eingehalten. Stadtparks können naturnäher gestaltet werden. Einige Ansätze gibt es bereits.

Ersatz und echter Ausgleich für Neuversiegelung von Freiflächen
Leider schreitet die Bebauung in Ludwigshafen weiter voran. Immer mehr Flächen werden versiegelt. Der sogenannte „Ausgleich“ findet in der Regel durch Aufwertung von landwirtschaftlichen Flächen statt. Damit mag zwar dem Artenschutz Genüge getan werden, aber Freiflächen mit all ihren oben dargestellten Funktionen verschwinden trotzdem. Zur Verbesserung des Stadtklimas, der Grundwasserneubildung und des Bodenschutzes ist als Ausgleich die Entsiegelung entsprechend der neu versiegelten Fläche notwendig.
 
Renaturierung von Gewässern bzw. deren Ufer  
Was die Renaturierung von kleineren Fließgewässern angeht, wurden in der Stadt in den letzten Jahren einige gute Projekte vorangebracht, zum Beispiel der Affengraben Ruchheim (noch verbesserungsfähig), der Altrheingraben in Oggersheim, die Regenrückhaltung am nördlichen Rand des Maudacher Bruchs, das Rückhaltebecken Dohlwiese am Deich im Süden, die Renaturierung des Brückelgrabens. Nun kommt es darauf an, diese in ihrer Wertigkeit auch zu erhalten.

Ökologische Bebauung
Städtische Bauträger müssen zu angepasster Bauweise übergehen (Auswahl von Baustoffen, Baustoffrecycling verbessern, Dach- und Fassadenbegrünungen), strikte Kontrolle der Festsetzungen von BPlänen, was Begrünung von Grundstücken betrifft.
Wir fordern, dass die Stadt sich – wie in Mainz und Kaiserslautern kürzlich geschehen – endlich dazu durchringt, ein Verbot von Schottergärten für die Zukunft zu verbieten. Angesichts der ohnehin extremen Wärmebelastung der Stadt, ist dies unbedingt notwendig. Da ein solches Verbot nur für zukünftige Bebauung festgesetzt werden kann, trägt die BUND Kreisgruppe mit ihrer Aktion „Entschotterung“ dazu bei, Beispiele und Anregung für die Umwandlung bestehender Gärten zu geben.  

 

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